Stille Woche in Karlsruhe eröffnet

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Zum zweiten Mal findet in Karlsruhe vom 3. bis 10. November die Woche der Stille statt. 108 Angebote an 48 Orten laden in dieser Zeit dazu ein, Stille in der Stadt ganz neu zu erleben. Am Abend des 3. November wurde die Woche eröffnet.

Der Auftakt der Woche der Stille fand seinen Ort am Labyrinth vor der Kirche St. Stephan, dessen Wege durch zahllose Kerzen erleuchtet waren. Nach einer kurzen Begrüßung erklang ein Gongschlag. Daraufhin waren alle Interessierten eingeladen, sich auf den meditativen Gang durch das Labyrinth zu begeben. Die immer neuen Biegungen und Begegnungen auf dem Weg regen an, über die Wege unseres Lebens nachzusinnen.

Daran schloss sich eine Eucharistiefeier in der Stephanskirche an, die durch verschiedene Elemente einen von Stille geprägten Charakter erhielt. Dekan Hubert Streckert betonte, die Stille habe eine ganz besondere Bedeutung, „denn sie verbindet uns.“ Stille überwinde konfessionelle und religiöse Grenzen. „Die Woche möchte Tiefgang für unsere Stadt bringen und beitragen, dass Menschen zu sich selbst kommen.“

Nach dem Evangelium stellten vier Beiträge verschiedene Aspekte der Stille dar. Der Obertonsänger Ottschke Hemmerlein sang einen „Heilgesang“ in der für den Gesang charakteristischen Stimmlage. Barbara Fank-Landkammer, Vorständin der Ehe-, Familien- und Partnerschaftberatung Karlsruhe und Initiatorin der Woche der Stille in Karlsruhe, berichtete aus ihrer Arbeit mit Beziehungen, dass ein richtiges Maß an Stille sehr wichtig für sie sein kann. Pausen der Stille könnten beitragen, sich darüber klar zu werden, worauf es wirklich ankommt. Das Schweigen könne auch begriffliche Grenzen überschreiten, es umfasse das Sagbare ebenso wie das Unsagbare.

Rainer Stiefelhagen vom Zen-Dojo Karlsruhe sagte, in seiner Glaubenspraxis als Buddhist spiele die stille Meditation im Sitzen eine zentrale Rolle. Dabei komme der Meditierende ganz in die Gegenwart. Vergleichbares, fügte er hinzu, könne man auch im christlichen Gottesdienst erleben.

Dekan Streckert unterstrich mit Bezug auf das Evangelium der Bekehrung des Zöllners Zachäus, das zuvor sein evangelischer Amtskollege Thomas Schalle vorgetragen hatte, dass das Verweilen in die Stille das Bewusstsein vor Gott bringe. Das Schweigen sei eine Gebetshaltung, die sich nur wenig von davon unterscheide, dass Zachäus einst einen Baum bestiegen habe, um Jesus sehen zu können. Beides bringe in die direkte Begegnung mit Gott. Dabei verwandle sich die Aktion zunehmend in innere Ruhe. Wie Jesus Zachäus auf dem Baum erblicke und sich mit ihm zum Essen setze, würden aus vielen Worten des Betens immer mehr eine Haltung des inneren Hörens, der Betende selbst zu einem, der lernt, auf Gott zu hören.

Tobias Tiltscher (auch Foto)

Quelle: Kath. Dekanat Karlsruhe / Tobias Tiltscher