Demokratie und Menschenrechte
"Rechtsextremistische Gesinnungen und Konzepte zielen fundamental auf Ab- und Ausgrenzung. In diesem radikalisierten Denken wird die gleiche Würde aller Menschen entweder geleugnet oder relativiert und somit zu einem für das politische Handeln irrelevanten Konzept erklärt. Für die Kirche aber ist klar: Jeder Mensch besitzt eine unantastbare und unverfügbare Würde. Sie gründet in der Gottebenbildlichkeit aller Menschen und ist die Basis der Menschenrechte." (Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz 22.02.2024)
Unsere Werte
Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen haben wir überlegt, wie und wo wir bewusst als Christinnen und Christen für Menschlichkeit und Demokratie eintreten können. Eine Aktion sind die nun folgenden Statements von Menschen, die sich im Stadtkloster beheimatet fühlen und dort engagieren:
Annette B.
Wenn es um christliche Werte geht, wenn es um die Würde aller Menschen geht, habe ich im Mensch gewordenen Gott ein Vorbild, was das konkret heißen kann: Mit viel Geduld geht Jesus in die Auseinandersetzung mit den Pharisäern und den Jünger*innen überall da, wo Menschenrechte nicht geachtet werden. Er heilt Kranke am Sabbat gegen das jüdische Verbot. Er sagt denjenigen, die die Ehebrecherin verurteilen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein" und verweist sie auf ihre eigene Fehlerhaftigkeit. Es geht um den Vorrang der Menschenwürde.
Und da ist Jesus sehr klar und entschieden und fordert auch die Jünger*innen zu Entscheidungen heraus: "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werden. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!"
Für mich ein Hinweis: Liebe, Achtung, Solidarität gegenüber allen Menschen zu leben braucht den Mut, Position zu beziehen und klare Kante zu zeigen, wo der Weg des Evangeliums verlassen wird.
Und da ist Jesus sehr klar und entschieden und fordert auch die Jünger*innen zu Entscheidungen heraus: "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werden. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!"
Für mich ein Hinweis: Liebe, Achtung, Solidarität gegenüber allen Menschen zu leben braucht den Mut, Position zu beziehen und klare Kante zu zeigen, wo der Weg des Evangeliums verlassen wird.
Ulrich
Das wichtigste Gebot, lehrt Jesus, ist das Gebot, Gott zu lieben – und seinen Nächsten wie sich selbst. (Mk 12,28-31 u.a.). Damit macht er deutlich, welche Werte für ihn und seine Jünger*innen an erster Stelle stehen: Gottes- und Nächstenliebe.
Auf die Frage, wer denn „der Nächste“ sei, antwortet er im Lukas-Evangelium mit der Geschichte des barmherzigen Samariter. Im Mittelpunkt der Beispielerzählung steht die selbstlose Hilfe für einen Menschen in Not, der einer anderen Volksgruppe und einer anderen Religion angehört, mit der es eine lange Geschichte von Konflikten gab. Entscheidend ist also nicht, ob ein Mensch zu meiner Familie, meinem „Volk“ oder meiner Religion gehört – sondern nur, ob er meine Hilfe braucht. Diese Hilfe zu verweigern, wie es rechtsextreme Parteien fordern, ist also fundamental unchristlich.
Barbara
Das kleine Büchlein von Frére Roger, dem Gründer von Taizé, mit dem Titel „Kampf und Kontemplation“ (1973) steht inzwischen etwas vergilbt in meinem Bücherregal. Es beinhaltet Tagebuchauszüge Mai 1970 – April 1972 und war eine Initialzündung für mein Christ-Sein. Beten, Meditation und sich für Gerechtigkeit einsetzen gehören zusammen. In der Stille, in der Gottesbegegnung wächst der Grund, der uns hält und über den eigenen Horizont hinausschauen lässt. Im Einsatz unserer Fähigkeiten, im Engagement mit anderen und für andere erleben wir die Kraft der Gemeinschaft und dass Hoffnung konkret wird. Vieles in unserer Welt bedrückt und beängstigt. Im Wechselspiel von Gebet und Gestalten, von Stille und Aushalten des Leids entsteht Klarheit.
Brigitte
"Und weil deine Augen in den unseren erwachen, weil dein Herz sich öffnet in unserm Herzen, fühlen wie wir unsere schwächliche Liebe aufblüht, sich weitet wie eine Rose zu einer Stätte der Zuflucht, zärtlich und ohne Grenzen für all diese Menschen, die hier um uns sind." (aus : Madeline Delbrêl: Liturgie der Außenseiter)
Dieser Text stellt die Sichtweise da, durch die mir die Würde der Menschen, denen ich im Alltag begegne, auch in schwierigen Situationen immer wieder neu bewusst wird. Auf Straßenbahnfahrten oder in Schlangen an Supermarktkassen übe ich meine Mitmenschen als Gottes geliebte Geschöpfe zu sehen, durch die sich Gott auch mir aufs Neue mitteilt und begegnet.
Ilka
In unserer Gesellschaft liegt der Fokus stark auf den Rollen, die wir nach außen repräsentieren: Berufliche Funktionen, soziale Netzwerke, denen wir angehören, Habitus und damit verbunden auch die politische Haltung allgemeinen und spezifischen Themen gegenüber.
Treten wir jedoch vor Gott, wird für mich deutlich, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, mit Emotionen, Sehnsüchten und Bedürfnissen - egal wie alt, egal woher auf dieser Erde. Lebe ich anderen gegenüber diese Grundhaltung, kann ich als Christin keinem Rechtspopulismus und auch keinen anderen politischen Machtstrukturen folgen - es wäre für mich Verrat an Gottes Schöpfung und damit auch an mir selbst.
Treten wir jedoch vor Gott, wird für mich deutlich, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, mit Emotionen, Sehnsüchten und Bedürfnissen - egal wie alt, egal woher auf dieser Erde. Lebe ich anderen gegenüber diese Grundhaltung, kann ich als Christin keinem Rechtspopulismus und auch keinen anderen politischen Machtstrukturen folgen - es wäre für mich Verrat an Gottes Schöpfung und damit auch an mir selbst.







